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Die Andere - DuMont 2007

Was drauf steht

Marion trifft Luna durch einen Zufall wieder – in Paris, wohin sich beide geflüchtet haben. Vor ihrem Leben, vor den Männern, vor der Vergangenheit. Bei ihrem letzten Treffen waren sie Freundinnen, aber das ist sechs Jahre her. Die Bilder eines rauschhaften Sommers sind nur noch Erinnerung.

Die abgeklärte Marion verfällt ihrer Faszination für die Andere ein zweites Mal. Luna ist wie ein Schmetterling, flatterhaft, unberechenbar und schön, auf charmante Weise lebensunfähig.
Sie ist auf der Suche nach Viktor, den sie in jenem vergangenen Sommer für sich gewonnen zu haben glaubte.

Susanne Heinrich entwirft in ihrem ersten Roman zwischen Hamburg, Paris und der Provence ein Netz gefährlicher Liebschaften, ein unwiderstehliches Gespinst aus Sehnsucht, Intrige und Schein. Ein Netz, aus dem es nur einen gewaltsamen Ausweg geben kann.

Was dran ist

"«Die Andere» ist der erste Roman der 22-jährigen Susanne Heinrich und zeigt vor allem ihre Stärke, Atmosphären heraufzubeschwören: die dekadenten Partys der oberen Gesellschaftsschichten, wo sich pummelige Damen in geknöpften Corsagen mit Champagner amüsieren und hypersensibel auf Humor reagieren, wo süssliches Parfum sich mit dem schwülen Geruch abgestandenen Wassers vom Kanal vermischt. Die detailliert beschriebenen Schauplätze lassen vermuten, dass man jedes dieser Cafés in Paris auffinden könnte." (NZZ)

"Was man vorfindet, ist ein unfertiges Buch. Die Geschichte, die es erzählen will, erinnert in mancherlei Hinsicht an den Großen Gatsby, im Ambiente, in der Melodramatik und auch – spiegelbildlich – in der Konstruktion. Die Figuren sind eben nicht entwickelt, sondern bleiben Entwürfe, eine Sammlung literarischer Absichten und Ambitionen – wie der ganze Roman auch. Interessante Formulierungen, eindrucksvolle Tableaus, kleine psychologische Studien, Bildungssplitter (...) Es ist eher das disparate Dokument einer kreativen Selbstfindung als ein Roman. Für einen solchen hätte es mehr Arbeit gebraucht, mehr Handwerk, mehr von allem." (Die Zeit)

" ... Susanne Heinrich kann man wahrlich als großes deutsches Literatur-Talent bezeichnen ... Man klebt an den Figuren, will jede Facette von ihnen kennenlernen und erleben, was sie einem alles anbieten." (Bild am Sonntag)

"Ist sie nun zu alt für ihr jugendliches Alter? Oder so jung, dass sie bei ihren Lesern vor lauter Rührung mütterliche Gefühle provoziert? (...) Manche Rezensenten verschmelzen Susanne Heinrich autobiografisch mit den sexverlorenen Protagonistinnen um die zwanzig ihres ersten Erzählbandes. Andere entdecken in ihr vor allem eine "judithhermannsche Herbstlichkeit" (Börsenblatt) und zählen sie zum Missfallen Heinrichs zum literarischen Fräuleinwunder. (...) Verwirrend frei schreibt die junge Frau, die von sich sagt, dass sie um ihre Sprache kämpft, wenn sie ihren Geschöpfen ins Innere schaut und sich erlaubt, sich über diese zu wundern." (Kultur Spiegel und Spiegel Online)

"Eigentlich eine Unterhaltungstragödie – auch insoweit der Bezug zu »Stella« – auf einem Niveau, wie heutzutage selten. Susanne Heinrich schreibt elegant, geistreich, ihr Ton ist hoch, ihre Ausdrucksweise gewählt. Immer wieder tupft sie Aperçus in den Gang der Handlung. Man muss nicht jeden ihrer eher schönen als klugen Einfälle bis zu Ende denken. Oft genügt, dass sie überraschen, dass ihr Gelingen Freude macht und dass der Abgang vom heißumkämpften Literaturgerät »Roman« nach einer Übung mit hohem Schwierigkeitsgrad gestanden wird." (Neues Deutschland)

"Wenn es einen Judith Hermann-Sound gibt, dann auch einen, der nach Susanne Heinrich zu benennen wäre: ... Leben hinter Milchglasscheiben. Erotisch prickelnde Atmosphären, verschwitzte Haut und niedergekämpfte Tränen. Wirkliches Leben der Zwanzig- bis Dreißigjährigen ..." (Kunststoff)

"Die Andere allerdings ist entweder ziemlich doofe Pastiche, nämlich uninspirierte "Susanne Heinrich stellt sich vor, eine graue Maus zu sein"-Rollenprosa, hinter der sich dieselbe großspurige Häme und eklige Überheblichkeit verbirgt, mit der "Sex & the City"-Kuckerinnen beim Cocktailabend ihren Freundinnen erzählen, dass Simone de Beauvoir erst mit Ende 30 ihren ersten Orgasmus hatte. Oder, Möglichkeit 2: Es gibt überhaupt keinen operettenhaften, ironisch gesetzten Metakrams. Die Andere ist einfach nur ein exzeptionell doofer Roman."  (literaturkritik.de)

"Jung, verliebt, talentiert ... Susanne Heinrich spricht und schreibt über die Liebe, als hätte sie sich nie mit etwas anderem beschäftigt." (blond magazin)   

"Susanne Heinrich macht es einem leicht, sie nicht zu mögen. Ihre Welt, in der Frauen Luna heißen, in Paris leben und bei jeder Gelegenheit Zitate von Baudelaire und aus Goethes "Stella" anbringen, wirkt auf den ersten 100 Seiten einfach wie strunzreaktionärer, bildungsbürgerlicher Streberquark. Bis man sich dann am Riemen reißt, Heinrichs Romandebüt eine zweite Chance gibt und feststellt, wie kunstfertig "Die Andere" gestrickt ist, wie deutlich sich ihre wunderschön-sehnsüchtigen Frauen als reine Literaturschöpfungen entpuppen." (kulturnews.de)

"Susanne Heinrich kommt aus Leipzig, ist 22 Jahre alt und kann in diesem zarten Alter schon schreiben wie ne Große ... Leider ziehen sich die ersten 100 Seiten von „Die Andere“ wie Kaugummi durch langwierige Beschreibungen von Lunas Vollkommenheit. Wenn aber im zweiten Drittel endlich auch Marion ein Leben lebt, Julien kennen lernt und Viktors Fratze entlarvt wird, liest man hier eine fabulöse Erzählung; gewaltsam und rauschhaft poetisch." (Fritz RBB)

"Sehr poetisch präsentiert sich der Roman «Die Andere», in dem Susanne Heinrich die Spielarten der Liebe bis zu ihrem tragischen Finale durchspielt ... Die Autorin lässt die Spannungen um ihre Protagonistin zwangsläufig in Zerstörung münden und zeichnet Luna als Repräsentantin einer Generation, die dem «idiotischen Hierarchieglauben» ihre Philosophie der «Trägheit» entgegen hält." (dpa)

 

Leseprobe - Die Andere

Die Andere